Unser Konferenzsommer
Der Sommer 2026 war bei uns im AWARE-Team konferenzreich: Zwischen Juli und September ging es kreuz und quer durch Europa – von Glasgow über Luzern bis nach Brünn. Im Zentrum stand dabei immer wieder dieselbe Frage: Wie hängen Social Media und die Art, wie Jugendliche psychische Erkrankungen wahrnehmen, zusammen? Hier ein Rückblick auf unsere Vorträge.

International Conference on Social Media & Society – Glasgow, UK (13.–15. Juli)
D. Weubel, S. Mayen, K. Karsay, R. Wendt & A.-L. Camerini
From Feeds to Beliefs: Adolescent Mental Illness Stigma Profiles and the Role of Social Media Exposure
Die internationale Konferenz bringt interdisziplinäre Forschung zu Social Media und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen zusammen. Vorgestellt wurden unsere Ergebnisse zu unterschiedlichen Stigma-Profilen Jugendlicher und deren Zusammenhang mit Social Media und weiteren Einflussfaktoren. In der Diskussion ging es insbesondere um mögliche positive und negative Seiten der Romantisierung psychischer Erkrankungen sowie um die Geschlechterunterschiede in den Stigma-Profilen.
5Rights Foundation Policy Talk – online (28. August)
D. Weubel
From "Dangerous" to "Special": Changing Mental Illness Stigma in the Age of Social Media
Ein Vortrag vor NGO-Publikum, der unsere Forschungsergebnisse zu Stigma-Profilen in eine politikrelevante Sprache übersetzt hat – mit Fokus darauf, was das für den Jugendschutz auf Social-Media-Plattformen bedeutet.
Swiss Public Health Conference – Luzern, Schweiz (2.–3. September)
D. Weubel, S. Mayen, K. Karsay, R. Wendt & A.-L. Camerini
Detached Stigmatizers or Benevolent Romantizisers? Adolescent Mental Illness Stigma Profiles and their Association with Social Media Use and Offline Communication
Die Swiss Public Health Conference verbindet jährlich Forschung, Praxis und Politik. Das diesjährige Motto “Public Health and the Beauty of Complexity” spiegelte sich in unserem Beitrag wider: Die Ergebnisse zeigten, dass Stigma bei Jugendlichen nicht einfach „niedrig“ oder „hoch“ ist, sondern sich in vier unterschiedlichen Profilen zeigt, die mit individuellen und sozialen Einflussfaktoren zusammenhängen.
11th European Communication Conference (ECC) – Brünn, Tschechien
(8.–11. September)

A.-L. Camerini, H. Bauer, A. Danilkow, S. Mayen, D. Weubel, R. Wendt & K. Karsay
(eingeladener Panel-Vortrag) From Social Media Feeds to Real-World Beliefs: Intentional and Incidental Mental Illness Exposure and Adolescents' Prevalence Estimates
Auf der ECREA Konferenz beschäftigte sich ein ganzes Panel bestehend aus fünf Beiträgen mit Nutzerpraktiken, Darstellung, und Wirkung von Inhalten zur mentalen Gesundheit in Sozialen Medien. Unser Beitrag zeigte, dass der Konsum von Inhalten zu psychischen Erkrankungen auf Plattformen wie Instragram und TikTok mit einer verzerrten Prävalenzschätzung unter Gleichaltrigen einhergeht, vor allem, wenn Jugendliche aktiv nach solchen Inhalten suchen. Ein Bewusstsein über Algorithmen oder die Überprüfung der Richtigkeit dieser Inhalte schützt nicht vor einer verzerrten Wahrnehmung. Aber was dann?

H. Bauer, S. Mayen, A.-L. Camerini, K. Karsay & R. Wendt
Adolescents' self-diagnosis of mental illness in algorithmic social media environments: A cross-sectional study on predictors and protective factors
Auf der ECREA konnten wir außerdem erste Ergebnisse zur Frage vorstellen, wie Social-Media-Inhalte zu psychischen Erkrankungen mit Selbstdiagnosen von Jugendlichen zusammenhängen. Basierend auf T1-Daten unserer dreiweilligen Schulbefragung zeigt sich folgendes Bild: Je häufiger Jugendliche Inhalte zu psychischen Erkrankungen sehen, desto höher schätzen sie deren Verbreitung ein – was wiederum mit einer stärkeren Tendenz zur Selbstdiagnose zusammenhängt. Wir sind gespannt darauf, diese Zusammenhänge im nächsten Schritt auch im Längsschnitt zu untersuchen.
Wendt, R., Dijkstra, R., Valverde Valencia, À., Bauer, H., Bozdag, C., Seddiği, G., & Nowak, F.
Digital Literacies As Prerequisites For Participation - Inequalities Shaping Adolescents’ Experiences in Algorithmic Spaces (Roundtable)
Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen aus ganz Europa haben wir darüber diskutiert, wie Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien und beispielweise algorithmisch kuratierten Social-Media-Inhalten gestärkt werden können. Dabei konnten wir Erkenntnisse aus unseren Fokusgruppen einbringen, wie Jugendliche Algorithmen und Inhalte zu psychischen Erkrankungen auf Social Media wahrnehmen und einordnen. Außerdem haben wir uns über methodische Ansätze ausgetauscht – besonders spannend für unsere noch ausstehende Entwicklung einer Algorithmenkompetenz-Skala für Jugendliche.
Ein ereignisreicher Sommer – und wir freuen uns schon auf die nächsten Konferenzen!




